Religion

  • Ein Weg, der sich in zwei Wege aufteilt. Daran zwei Wegweiser: "This way", "That way"

    13. Sonntag im Jahreskreis A
    Entscheidungen, die sich lohnen

    Wer sich entscheidet, einem Hobby mit anderen Menschen nachzugehen, verzichtet zugleich auf etwas anderes. Die Zeit kann nicht anders verplant werden und man ist weniger flexibel. Denn die anderen verlassen sich darauf, dass man regelmäßig und zuverlässig dabei ist und sich einbringt. Das gilt natürlich auch für eine Chor-Gemeinschaft. Wenn der Chor in St. Marien heute sein 70-jähriges Bestehen feiert, dann ist das auch eine Leistung von Menschen, die sich über Jahre und Jahrzehnte zuverlässig dafür eingesetzt haben. Es sind oft kleine Entscheidungen, die über Fortschritte und Rückschläge bestimmen. Doch was so pflichtbewusst und konsequent klingt, hat natürlich auch eine andere Seite. Denn wer sich engagiert, bekommt auch etwas dafür:…

  • Elf Bauarbeiter sitzen auf einem Stahlträger über Manhattan

    11. Sonntag im Jahreskreis A
    Vielfältige Köpfe und Talente

    Vergangene Woche musste ich im Duisburger Bahnhof umsteigen. Jeder, der da in letzter Zeit einmal gewesen ist, weiß, dass die Gleishalle in großem Stil umgebaut wird. Die alten Bauten werden abgerissen, neue Gleise werden verlegt, Pfeiler und Verstrebungen errichtet. Viele Bauarbeiter sind da an unzähligen Stellen im Einsatz mit ihren verschiedenen Werkzeugen und Maschinen. Beachtet werden sie bei ihrer Arbeit meistens wohl nicht; sie bleiben namenlos. Doch am Ergebnis sieht man Stück für Stück, was die Menschen dort bereits geleistet haben. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Von den Männern, die Jesus in seinen engsten Kreis ruft, haben wir vorhin Namen gehört. Einige sind uns vertraut, andere fremd. Namen heben…

  • Kugelschreiber auf weißem Blatt Papier

    Neujahr
    Die Angst vor dem weißen Blatt

    Ein unbeschriebenes Blatt Papier bietet viel Platz, um kreative Ideen aufzuschreiben. Es kann aber auch unter Druck setzen, wenn es irgendwie gefüllt werden muss. Das wissen alle, die schon einmal einen Artikel, eine Rede, ein Gedicht oder eine Predigt geschrieben haben. Der erste Satz ist meistens der schwerste. Danach läuft es oft flüssiger. Der Beginn eines neuen Jahres verunsichert mich auch immer ein bisschen. Noch nichts ist erledigt, nichts ist abgehakt, nichts ist erreicht. Klar, es bieten sich ganz neue Chancen im neuen Jahr, aber da ist auch ein riesiger Berg an Dingen, die noch geplant und vorbereitet werden müssen. Und oft stelle ich mir die bange Frage: wird es…

  • Holzfiguren, die Maria, Josef und das Kind in der Krippe darstellen

    Fest der Heiligen Familie, Lesejahr A
    Menschwerdung in der Familie

    Wie hat Jesus wohl seine Kindheit verbracht? Nach der Geburt schweigt die Bibel über die ersten dreißig Jahre des Lebens Jesu – mit einer Ausnahme, wo über den zwölfjährigen Jesus im Tempel berichtet wird. Die Frage zu beantworten, ist also ziemlich spekulativ. Aber ich halte es für eine wichtige Frage, weil die Kindheit das Leben Jesu geprägt haben dürfte. Wenn schon das Matthäus-Evangelium davon berichtet, dass Josef nicht der Vater Jesu ist, dürfte das den Menschen in Nazareth auch bekannt gewesen sein. Das, was wir im Glauben bekennen, nämlich dass der Heilige Geist Gottes über Maria kam, dürfte im Alltag der Umgebung kaum zu vermitteln gewesen sein. Wenn es sich…

  • Eine Darstellung der Krippe mit Kruzifix an der Wand.

    Stephanstag
    Krippe und Kreuz

    Gestern noch ein kleines Kind, heute schon ein Erwachsener, der seine Jünger auf Ungemach vorbereitet. Gestern noch das friedliche Bild in der Krippe, heute schon die Steinigung des ersten Märtyrers Stephanus. Zwischen dem ersten und dem zweiten Weihnachtstag könnte der Kontrast kaum größer sein. Nicht nur, dass wir einen Zeitsprung von 35, vielleicht 40 Jahren machen, auch die Emotionen sind ganz andere. Das drückt sich auch in den liturgischen Farben aus: gestern noch frohes weiß, heute das blutrote Gewand. Und doch ist es gerade der Kontrast, der unseren christlichen Glauben auszeichnet. Freud und Leid liegen eng beieinander – da drückt der Glaube zutiefst menschliche Erfahrungen aus. Auch in dem, was…

  • Zwei geöffnete Fenster

    Heiliger Abend
    Mit Gott unter einem Dach

    Das Wort heilig kommt heute ganz häufig vor: Der Heilige Abend; Stille Nacht, heiligen Nacht heißt es in den Liedern oder hochheilige Nacht, ja sogar heiligste Nacht. Vieles in unserem Alltagsleben bezeichnen wir auch als heilig: Gesundheit; Zeit für uns, unsere Familie, unseren Freundeskreis; manchen ist das Auto oder ein anderer Gegenstand heilig; mir ist mein Volleyball-Team heilig, wo ich immer wieder abschalten und mich auspowern kann. Wenn uns etwas heilig ist, investieren wir viel Zeit und Energie da hinein. Da muss alles passen. An Weihnachten besteht die Gefahr, dass wir den Heiligen Abend in derselben Weise verstehen. Alles muss möglichst perfekt sein, nichts darf die Atmosphäre stören. Eine heile…

  • Holzpfad im Wald

    2. Adventssontag, Lesejahr A
    Neue Wege in ein erfülltes Leben entdecken

    Kennen Sie Maja Göpel? Bis vor wenigen Wochen sagte mir dieser Name nichts, dann wurde sie mir immer wieder auf Instagram in meine Timeline gespült. Manchmal sind die Algorithmen dann doch hilfreich, denn was diese Frau sagt, ist aus meiner Sicht unheimlich relevant und obendrein unterhaltsam. So bin ich auf einen Vortrag von ihr an der Leibniz-Universität in Hannover gestoßen. Maja Göpel ist Professorin und forscht zu Fragen einer nachhaltigen Transformation (Veränderung). Statt darüber zu reden, wie schlecht alles ist und wie viel schlechter es noch werden kann, fragt sie, wie wir die Welt nachhaltig gestalten, also lebenswert für alle machen können. Sie schaut also sozusagen von der Zukunft auf…

  • Ein Mann umarmt zwei Personen

    Neujahr
    Free Hugs von Gott

    Vor einigen Jahren kam aus Australien eine Bewegung auch nach Deutschland, die sich Free Hugs nannte. Free Hugs, also kostenlose Umarmungen haben Menschen zum Beispiel Passant:innen in Fußgängerzonen angeboten, indem sie ein Pappschild mit dem Schriftzug hochhielten. Viele Menschen haben sich davon ansprechen lassen und wurden für einen kurzen Augenblick umarmt. Dahinter steht die Wahrnehmung der meisten Menschen, dass Umarmungen uns guttun. Sei vermitteln Nähe, Zuneigung, Geborgenheit und Schutz, manchmal auch Intimität. Natürlich können Umarmungen auch unangenehm sein. Daher ist es wichtig, sensibel dafür zu sein, wann es angemessen ist, jemanden zu umarmen. In der Coronazeit jedenfalls haben vielen Menschen die Umarmungen gefehlt. Das hat möglicherweise zusätzlich für Stress gesorgt,…

  • Ausschnitt einer Ikone; Rechts Christus und links Abbas Menas; beide schauen den Betrachter an. Christus hat den Arm um den Abbas gelegt

    2. Adventssonntag
    Mit Jesus auf mein Leben schauen

    Das Original einer recht bekannten Ikone ist im Louvre ausgestellt. Einen Nachdruck davon gibt es in der Versöhnungskirche in Taizé und an zahlreichen anderen Orten. Ihr Titel: „Christus und Abbas Menas“ oder auch „Jesus und sein Freund“ oder „Ikone der Freundschaft“. Sie zeigt einen gewissen Abt Menas neben Christus. Beide schauen dem Betrachter frontal in die Augen, sie blicken also in dieselbe Richtung. Jesus trägt in der linken Hand ein Evangeliar, die rechte Hand hat er freundschaftlich auf die Schulter des Abtes gelegt. Seit einigen Jahren begegnet mir diese Ikone immer mal wieder und ich kann wohl sagen, dass sie mein Bild von Christus auch geprägt hat. Jesus als derjenige,…

  • Ikone von Mariä Verkündigung und entsprechendem Oklad

    Mariä Empfängnis
    Was genau feiern wir da schon wieder?

    Würde man eine Liste der kirchlichen Feste mit den schwierigsten Namen erstellen, wäre das heutige Fest vermutlich ganz oben mit dabei: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Gleich drei der vier Mariendogmen in der katholischen Kirche tauchen da im Titel auf: die Jungfräulichkeit Mariens, die Tatsache, dass Maria die Gottesgebärerin ist und eben der Anlass des Festes: dass Maria von der Erbsünde befreit ist. Puh! Wohlgemerkt feiern wir nicht die Empfängnis – oder moderner gesagt: die Zeugung – Jesu in Maria. Auch wenn das Evangelium dies nahelegt, wäre das 17 Tage vor Weihnachten ja auch absurd. Vielmehr feiern wir die Zeugung Marias durch ihre Eltern, die in…