Marathon-Läufer:innen

12. Sonntag im Jahreskreis A
Durchhalten!

Bei großen Marathon-Veranstaltungen in Städten stehen oft am Streckenrand Trommelgruppen, die die Läufer:innen anfeuern, oder Menschen mit Plakaten, auf denen motivierende Sprüche stehen. Leute, die mitgelaufen sind, berichten, dass das wirklich animiert, durchzuhalten – vorausgesetzt, dass es realistisch ist, sein Ziel auch zu erreichen.

Die Jünger, die im Evangelium heute von Jesus angesprochen werden, müssen ebenfalls motiviert werden: »Fürchtet euch nicht!« (Mt 10,26.28.31), sagt Jesus gleich dreimal. Im Evangelium am vergangenen Sonntag waren uns die Zwölf namentlich vorgestellt worden, am Start ihrer Mission. Dazwischen hat Jesus laut dem Matthäus-Evangelium ihnen angekündigt, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen: sie werden verfolgt, gehasst, vor Gerichte gestellt – »Nehmt euch vor den Menschen in Acht!« (Mt 10,17), hatte Jesus gewarnt. Jetzt also »Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können!« (Mt 10,28)

Keine rosigen Aussichten für die Jünger am Beginn ihrer Aufgabe. Was Jesus verdeutlicht: Nur weil man im Sinne Gottes handelt, heißt es nicht, dass einem nichts zustoßen kann. Den Fehler hatten die Menschen in der Zeit des Propheten Jeremia gemacht (vgl. Jer 20,10–13). Sie hatten geglaubt: »Gott meint es gut. Uns kann nichts passieren. Egal, was wir auch tun.« Davor warnt Jeremia vergeblich und wird von den Mächtigen verfolgt. Am Ende wird er Recht behalten: der Tempel in Jerusalem wird zerstört und das Volk für viele Jahrzehnte vertrieben (vgl. 2 Kön 25,8–21). Hätten sie sich mal besser vorbereitet!

Wie Jeremia sollen auch die Jünger konsequent das Reich Gottes verkünden, damit möglichst viele Menschen den Weg zu Gott finden. Das verlangt von ihnen, auch unbequem zu sein und auch extremsten Widerstand auszuhalten.

Ich frage mich: Haben wir den Mut, etwas Unbequemes in Kauf zu nehmen, um zu unserem Glauben zu stehen? Was könnte das überhaupt sein? Vieles ist so abstrakt und klingt in den Ohren der meisten nett, aber ebenso langweilig: Nächstenliebe und Gottes bedingungslose Liebe zu den Menschen, selbst das ewige Leben klingt aus der Ferne harmlos.

Aber machen wir es etwas konkreter: Nächstenliebe bedeutet eben, gerade die zu lieben, die man nicht leiden kann. Wer will das schon hören? Und: Sich für Gerechtigkeit einzusetzen, wird unangenehm, sobald man sich selber dabei einschränken muss. Und Ewiges Leben bedeutet auch, dem Leben vor dem Tod nicht alles unterzuordnen. Nicht immer mehr haben wollen, sondern auch einmal zu verzichten. Anzuerkennen, dass Wachstum Grenzen hat und dass Wohlstand nicht nur aus Materiellem besteht. Die Wirtschaft bestimmt nicht den Menschen. Christlich leben, heißt auch, ein Leben zu führen, das die Seele der Menschen wahrnimmt und ernst nimmt. Das wird nicht jedem gefallen. Zu Christus zu gehören, ist nicht bequem.

Vielleicht machen wir manchmal auch denselben Fehler wie die Zeitgenoss:innen des Propheten Jeremias und glauben: uns kann ja nichts passieren, Gott meint es ja gut mit uns. Egal, was wir tun.

Stimmt, Gott meint es gut. Das macht Jesus unmissverständlich klar: »Ihr seid [für Gott] mehr wert als viele Spatzen.« (Mt 10,31) Und doch müssen wir uns immer wieder bewusst für Gott entscheiden: »Wer mich verleugnet, den werde ich verleugnen.« (Mt 10,33) Die Möglichkeit, dass Gott »Seele und Leib in der Hölle verderben kann« (Mt 10,28), spricht Jesus ohne Umschweife aus. Das ist aber nicht Gottes Willkür und keine Lotterie, sondern unsere eigene freie Entscheidung gegen Gott. Und ich meine das ist wichtig: denn ohne die sind wir keine freien Menschen, sondern ferngesteuerte Maschinen.

Wenn wir uns aber für Gott entscheiden, muss das auch sichtbar werden: Gott Zeit einräumen im Leben, irgendwann am Tag, einmal in der Woche im Gottesdienst – statt nur im Hinterkopf zu haben: Gott ist ja eh irgendwie immer mit dabei. Oder: Einmal offen im Bekanntenkreis über den eigenen Glauben reden, auch wenn es Überwindung kostet. Ich bin sicher: es macht andere neugierig, denn wer von etwas begeistert ist, kann auch andere begeistern, sich dafür zu entscheiden. Und ist das nicht auch ein tolles Gefühl, das einen selbst bestärken kann?

Gott will uns das Leben schenken und er will uns zu diesem Weg anspornen: »Fürchtet euch nicht!« – selbst dann, wenn es unbequem wird. Denn der Weg dorthin ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Aber auf dem Weg sind wir nicht auf uns allein gestellt.

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