Armband mit Aufschrift "Hab Mut"

Pfingsten
»Hab Mut, steh’ auf«

»Hab Mut, steh’ auf«, war das Motto des Katholikentags, der heute vor einer Woche in Würzburg zuende gegangen ist. Wie in den vergangenen Jahren habe ich auch diesmal wieder daran teilgenommen. Ich genieße es, alte Bekannte wiederzutreffen, Menschen neu kennenzulernen, die Diskussionen und Workshops zu besuchen – und mit alldem: mich im Glauben bestärken zu lassen. Und ich kann sagen: auch diesmal hat sich diese Hoffnung für mich wieder erfüllt.

»Hab Mut, steh’ auf«, das zieht sich auch als roter Faden durch die Lesungen von Pfingsten. Der auferstandene Jesus sendet seine Jünger:innen in die Welt, nachdem er sie mit dem Heiligen Geist ausgestattet hat. Und die Menschen in Jerusalem können die Frauen und Männer verstehen, die da in eigentlich fremden Sprachen zu ihnen reden und »Gottes große Taten« verkünden, wie es in der Apostelgeschichte heißt. Dabei stelle ich mir das nicht so vor, dass der Heilige Geist sie zu FremdsprachenTalenten gemacht hat. Eher glaube ich, dass sie – beseelt vom Heiligen Geist – jetzt so von ihrem Glauben reden konnten, dass alle davon angesprochen wurden. Und zwar unabhängig davon, welchen Hintergrund sie haben kulturell, religiös oder sozial.

Hinauszugehen und zu reden, scheint also eine Gabe des Heiligen Geistes zu sein. und zwar so, dass es sowohl wahrhaftig als auch verständlich ist. Denn reden allein bewirkt nichts, wenn nicht der Raum dafür vorhanden ist, dass andere das Gesagte auch aufnehmen und verinnerlichen können – und sich sogar neu denken dadurch. Diesen Raum habe ich auf dem Katholikentag immer wieder wahrgenommen.

Bei einem der Workshops, die ich besucht habe, haben junge TheologieStudentinnen darüber berichtet, wie sie sich vor rund einem Jahr beim Priesterseminar in Freiburg als Kandidatinnen beworben hatten. Sie möchten Priesterinnen in der katholischen Kirche werden. Die Art, wie sie erzählten, wirkte auf mich weder schrill noch naiv. Ihnen war ziemlich klar, dass ihre Bewerbung abgelehnt würde. Aber sie hat etwas bewirkt. Denn sie wurden zum Gespräch im Priesterseminar eingeladen und konnten ihre Berufungsgeschichten erzählen. Beim Katholikentag haben sie dann offen auch über ihre Sorge erzählt, nach dieser Aktion möglicherweise nicht mehr in der Kirche arbeiten zu können. Mich haben diese Frauen sehr beeindruckt und um es offen zu sagen: Ich kann ihre Sichtweise verstehen. Ohne Frage: nicht jeder Mensch empfängt dieselben Gaben vom Heiligen Geist, so macht Paulus das in seinem Brief deutlich. Aber werden manche Gnadengaben wirklich nur an Männer verschenkt? Bei mir bleiben da jedenfalls Fragen, warum das so sein sollte – auch nach fünf Jahren TheologieStudium und drei Jahren als Priester. Auf jeden Fall kann ich sagen: Ich vermisse dadurch etwas, dass Frauen keine Priesterinnen werden können.

Jetzt ist nicht alles, was Menschen sagen, immer vom Heiligen Geist gewirkt, auch nicht bei Getauften, nicht einmal bei Priestern. Manches, was wir sagen, wünschen wir uns zwar, muss deswegen aber nicht automatisch der Wille Gottes sein. Man muss also unterscheiden. Aber wie? Einen Hinweis finde ich in dem Brief, den Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt. Da hieß es: »Jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.« Der Geist wirkt also weniger so, dass andere etwas Gutes erfahren, nicht in erster Linie ich selbst. Erst recht ist alles, was der Würde eines Menschen widerspricht, nicht vom Heiligen Geist gewirkt. Weiterhin ist das, was vom Heiligen Geist gewirkt ist, etwas Dauerhaftes, keine spontane Meinung, die sich wieder ändert. In der PfingstSequenz vor dem Evangelium haben wir gesungen: »Lass es in der Zeit bestehen.« Beständigkeit ist also ein Zeichen für den Heiligen Geist. Und schließlich: Wenn unser Reden vom Heiligen Geist stammt, ist es an Jesus Christus gebunden. Er ist es, der uns sendet: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.« Es ist eine Linie: Vom Vater über den Sohn an seine Kirche verläuft die Sendung.

Menschen, in denen der Heilige Geist wirkt, tun also etwas zum Nutzen anderer – und zwar beharrlich – und lassen sich darin von Jesus Christus, dem Auferstandenen senden.

»Hab Mut, steh auf« – das Motto des Katholikentags wurde manchmal ergänzt. Heute an Pfingsten könnte man sagen: »Hab Mut, steh auf und geh, um die großen Taten Gottes zu verkünden.«

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