{"id":537,"date":"2026-06-06T11:37:35","date_gmt":"2026-06-06T09:37:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=537"},"modified":"2026-06-06T11:37:35","modified_gmt":"2026-06-06T09:37:35","slug":"hab-mut-steh-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=537","title":{"rendered":"\u00bbHab Mut, steh\u2019 auf\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbHab Mut, steh\u2019 auf\u00ab, war das Motto des Katholikentags, der heute vor einer Woche in W\u00fcrzburg zuende gegangen ist. Wie in den vergangenen Jahren habe ich auch diesmal wieder daran teilgenommen. Ich genie\u00dfe es, alte Bekannte wiederzutreffen, Menschen neu kennenzulernen, die Diskussionen und Workshops zu besuchen \u2013 und mit alldem: mich im Glauben best\u00e4rken zu lassen. Und ich kann sagen: auch diesmal hat sich diese Hoffnung f\u00fcr mich wieder erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbHab Mut, steh\u2019 auf\u00ab, das zieht sich auch als roter Faden durch die Lesungen von Pfingsten. Der auferstandene Jesus sendet seine J\u00fcnger:innen in die Welt, nachdem er sie mit dem Heiligen Geist ausgestattet hat. Und die Menschen in Jerusalem k\u00f6nnen die Frauen und M\u00e4nner verstehen, die da in eigentlich fremden Sprachen zu ihnen reden und \u00bbGottes gro\u00dfe Taten\u00ab verk\u00fcnden, wie es in der Apostelgeschichte hei\u00dft. Dabei stelle ich mir das nicht so vor, dass der Heilige Geist sie zu FremdsprachenTalenten gemacht hat. Eher glaube ich, dass sie \u2013 beseelt vom Heiligen Geist \u2013 jetzt so von ihrem Glauben reden konnten, dass alle davon angesprochen wurden. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, welchen Hintergrund sie haben kulturell, religi\u00f6s oder sozial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinauszugehen und zu reden, scheint also eine Gabe des Heiligen Geistes zu sein. und zwar so, dass es sowohl wahrhaftig als auch verst\u00e4ndlich ist. Denn reden allein bewirkt nichts, wenn nicht der Raum daf\u00fcr vorhanden ist, dass andere das Gesagte auch aufnehmen und verinnerlichen k\u00f6nnen \u2013 und sich sogar neu denken dadurch. Diesen Raum habe ich auf dem Katholikentag immer wieder wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem der Workshops, die ich besucht habe, haben junge TheologieStudentinnen dar\u00fcber berichtet, wie sie sich vor rund einem Jahr beim Priesterseminar in Freiburg als Kandidatinnen beworben hatten. Sie m\u00f6chten Priesterinnen in der katholischen Kirche werden. Die Art, wie sie erz\u00e4hlten, wirkte auf mich weder schrill noch naiv. Ihnen war ziemlich klar, dass ihre Bewerbung abgelehnt w\u00fcrde. Aber sie hat etwas bewirkt. Denn sie wurden zum Gespr\u00e4ch im Priesterseminar eingeladen und konnten ihre Berufungsgeschichten erz\u00e4hlen. Beim Katholikentag haben sie dann offen auch \u00fcber ihre Sorge erz\u00e4hlt, nach dieser Aktion m\u00f6glicherweise nicht mehr in der Kirche arbeiten zu k\u00f6nnen. Mich haben diese Frauen sehr beeindruckt und um es offen zu sagen: Ich kann ihre Sichtweise verstehen. Ohne Frage: nicht jeder Mensch empf\u00e4ngt dieselben Gaben vom Heiligen Geist, so macht Paulus das in seinem Brief deutlich. Aber werden manche Gnadengaben wirklich nur an M\u00e4nner verschenkt? Bei mir bleiben da jedenfalls Fragen, warum das so sein sollte \u2013 auch nach f\u00fcnf Jahren TheologieStudium und drei Jahren als Priester. Auf jeden Fall kann ich sagen: Ich vermisse dadurch etwas, dass Frauen keine Priesterinnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt ist nicht alles, was Menschen sagen, immer vom Heiligen Geist gewirkt, auch nicht bei Getauften, nicht einmal bei Priestern. Manches, was wir sagen, w\u00fcnschen wir uns zwar, muss deswegen aber nicht automatisch der Wille Gottes sein. Man muss also unterscheiden. Aber wie? Einen Hinweis finde ich in dem Brief, den Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt. Da hie\u00df es: \u00bbJedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen n\u00fctzt.\u00ab Der Geist wirkt also weniger so, dass <em>andere <\/em>etwas Gutes erfahren, nicht in erster Linie ich selbst. Erst recht ist alles, was der W\u00fcrde eines Menschen widerspricht, nicht vom Heiligen Geist gewirkt. Weiterhin ist das, was vom Heiligen Geist gewirkt ist, etwas Dauerhaftes, keine spontane Meinung, die sich wieder \u00e4ndert. In der PfingstSequenz vor dem Evangelium haben wir gesungen: \u00bbLass es in der Zeit bestehen.\u00ab Best\u00e4ndigkeit ist also ein Zeichen f\u00fcr den Heiligen Geist. Und schlie\u00dflich: Wenn unser Reden vom Heiligen Geist stammt, ist es an Jesus Christus gebunden. Er ist es, der uns sendet: \u00bbWie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.\u00ab Es ist eine Linie: Vom Vater \u00fcber den Sohn an seine Kirche verl\u00e4uft die Sendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen, in denen der Heilige Geist wirkt, tun also etwas zum Nutzen anderer \u2013 und zwar beharrlich \u2013 und lassen sich darin von Jesus Christus, dem Auferstandenen senden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbHab Mut, steh auf\u00ab \u2013 das Motto des Katholikentags wurde manchmal erg\u00e4nzt. Heute an Pfingsten k\u00f6nnte man sagen: \u00bbHab Mut, steh auf und geh, um die gro\u00dfen Taten Gottes zu verk\u00fcnden.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbHab Mut, steh\u2019 auf\u00ab, war das Motto des Katholikentags, der heute vor einer Woche in W\u00fcrzburg zuende gegangen ist. Wie in den vergangenen Jahren habe ich auch diesmal wieder daran teilgenommen. Ich genie\u00dfe es, alte Bekannte wiederzutreffen, Menschen neu kennenzulernen, die Diskussionen und Workshops zu besuchen \u2013 und mit alldem: mich im Glauben best\u00e4rken zu lassen. Und ich kann sagen: auch diesmal hat sich diese Hoffnung f\u00fcr mich wieder erf\u00fcllt. \u00bbHab Mut, steh\u2019 auf\u00ab, das zieht sich auch als roter Faden durch die Lesungen von Pfingsten. Der auferstandene Jesus sendet seine J\u00fcnger:innen in die Welt, nachdem er sie mit dem Heiligen Geist ausgestattet hat. Und die Menschen in Jerusalem k\u00f6nnen die Frauen und M\u00e4nner verstehen, die da in eigentlich fremden Sprachen zu ihnen reden und \u00bbGottes gro\u00dfe Taten\u00ab verk\u00fcnden, wie es in der Apostelgeschichte hei\u00dft. Dabei stelle ich mir das nicht so vor, dass der Heilige Geist sie zu FremdsprachenTalenten gemacht hat. Eher glaube ich, dass sie \u2013 beseelt vom Heiligen Geist \u2013 jetzt so von ihrem Glauben reden konnten, dass alle davon angesprochen wurden. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, welchen Hintergrund sie haben kulturell, religi\u00f6s oder sozial. Hinauszugehen und zu reden, scheint also eine Gabe des Heiligen Geistes zu sein. und zwar so, dass es sowohl wahrhaftig als auch verst\u00e4ndlich ist. Denn reden allein bewirkt nichts, wenn nicht der Raum daf\u00fcr vorhanden ist, dass andere das Gesagte auch aufnehmen und verinnerlichen k\u00f6nnen \u2013 und sich sogar neu denken dadurch. Diesen Raum habe ich auf dem Katholikentag immer wieder wahrgenommen. Bei einem der Workshops, die ich besucht habe, haben junge TheologieStudentinnen dar\u00fcber berichtet, wie sie sich vor rund einem Jahr beim Priesterseminar in Freiburg als Kandidatinnen beworben hatten. Sie m\u00f6chten Priesterinnen in der katholischen Kirche werden. Die Art, wie sie erz\u00e4hlten, wirkte auf mich weder schrill noch naiv. Ihnen war ziemlich klar, dass ihre Bewerbung abgelehnt w\u00fcrde. Aber sie hat etwas bewirkt. Denn sie wurden zum Gespr\u00e4ch im Priesterseminar eingeladen und konnten ihre Berufungsgeschichten erz\u00e4hlen. Beim Katholikentag haben sie dann offen auch \u00fcber ihre Sorge erz\u00e4hlt, nach dieser Aktion m\u00f6glicherweise nicht mehr in der Kirche arbeiten zu k\u00f6nnen. Mich haben diese Frauen sehr beeindruckt und um es offen zu sagen: Ich kann ihre Sichtweise verstehen. Ohne Frage: nicht jeder Mensch empf\u00e4ngt dieselben Gaben vom Heiligen Geist, so macht Paulus das in seinem Brief deutlich. Aber werden manche Gnadengaben wirklich nur an M\u00e4nner verschenkt? Bei mir bleiben da jedenfalls Fragen, warum das so sein sollte \u2013 auch nach f\u00fcnf Jahren TheologieStudium und drei Jahren als Priester. Auf jeden Fall kann ich sagen: Ich vermisse dadurch etwas, dass Frauen keine Priesterinnen werden k\u00f6nnen. Jetzt ist nicht alles, was Menschen sagen, immer vom Heiligen Geist gewirkt, auch nicht bei Getauften, nicht einmal bei Priestern. Manches, was wir sagen, w\u00fcnschen wir uns zwar, muss deswegen aber nicht automatisch der Wille Gottes sein. Man muss also unterscheiden. Aber wie? Einen Hinweis finde ich in dem Brief, den Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt. Da hie\u00df es: \u00bbJedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen n\u00fctzt.\u00ab Der Geist wirkt also weniger so, dass andere etwas Gutes erfahren, nicht in erster Linie ich selbst. Erst recht ist alles, was der W\u00fcrde eines Menschen widerspricht, nicht vom Heiligen Geist gewirkt. Weiterhin ist das, was vom Heiligen Geist gewirkt ist, etwas Dauerhaftes, keine spontane Meinung, die sich wieder \u00e4ndert. In der PfingstSequenz vor dem Evangelium haben wir gesungen: \u00bbLass es in der Zeit bestehen.\u00ab Best\u00e4ndigkeit ist also ein Zeichen f\u00fcr den Heiligen Geist. Und schlie\u00dflich: Wenn unser Reden vom Heiligen Geist stammt, ist es an Jesus Christus gebunden. Er ist es, der uns sendet: \u00bbWie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.\u00ab Es ist eine Linie: Vom Vater \u00fcber den Sohn an seine Kirche verl\u00e4uft die Sendung. Menschen, in denen der Heilige Geist wirkt, tun also etwas zum Nutzen anderer \u2013 und zwar beharrlich \u2013 und lassen sich darin von Jesus Christus, dem Auferstandenen senden. \u00bbHab Mut, steh auf\u00ab \u2013 das Motto des Katholikentags wurde manchmal erg\u00e4nzt. 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