{"id":532,"date":"2026-06-07T11:00:00","date_gmt":"2026-06-07T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=532"},"modified":"2026-06-06T11:13:21","modified_gmt":"2026-06-06T09:13:21","slug":"nicht-die-leistung-entscheidet-wer-mitmachen-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=532","title":{"rendered":"Nicht die Leistung entscheidet, wer mitmachen darf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist es die richtige Entscheidung Manuel Neuer wieder zur Nr. 1 der Fu\u00dfball-Nationalmannschaft zu machen? Die richtige Antwort auf die Frage wird man wohl erst nach dem Ende der Fu\u00dfball-WM kennen. Der Torh\u00fcter, der eigentlich schon aus dem Nationalteam zur\u00fcckgetreten war, ist nun doch erneut nominiert worden, weil er aus Sicht des Bundestrainers nach wie vor der Beste ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leistung entscheidet dar\u00fcber, ob man in der Nationalelf oder \u00fcberhaupt bei einem Leistungssport vorne dabei sein darf. Fehler f\u00fchren umgekehrt schnell dazu, dass man ausgeschlossen wird. Das ist vern\u00fcnftig, um als Mannschaft erfolgreich zu sein. Gerne umgibt man sich mit Menschen, die erfolgreich sind, um selbst ein bisschen von diesem Erfolg abzubekommen. Schw\u00e4chen und Fehler sind da eher unbeliebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus hingegen stellt sein Team nach anderen Kriterien zusammen, wie wir heute h\u00f6ren. Der Z\u00f6llner Matth\u00e4us wird von Jesus in sein Team gerufen: in den Kreis der zw\u00f6lf Apostel. Allein, dass Jesus sich mit Menschen wie ihm abgibt, sorgt schnell f\u00fcr Kritik in seinem Umfeld: Brauchen wir nicht gerade, wenn es um die Botschaft Gottes geht, die Fehlerlosen? Schlie\u00dflich darf doch kein Schatten auf die G\u00fcte Gottes fallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus bewertet das offenbar anders. Auch er hei\u00dft Fehler und Ausbeutung nicht gut. Vehement ruft er die Menschen immer wieder zur Umkehr auf. Aber f\u00fcr ihn z\u00e4hlt ein anderes Kriterium: Barmherzigkeit. Man k\u00f6nnte auch sagen: Zuwendung, Verst\u00e4ndnis \u2013 Vers\u00f6hnung. So bringt er ganz unterschiedliche Menschen zusammen: S\u00fcnder und Gerechte, St\u00e4rkere und Schw\u00e4chere. Aus ihnen bildet er eine Gemeinschaft: die Kirche. Nicht die Starken brauchen die Zuwendung, sondern die Schwachen, diejenigen, die gestolpert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einigen Wochen hat Papst Leo XIV. ein viel beachtetes Schreiben ver\u00f6ffentlicht: die Enzyklika <em>Magnifica humanitas<\/em>.<sup data-fn=\"04f0ead8-fd96-43ba-9de1-619e86f86241\" class=\"fn\"><a href=\"#04f0ead8-fd96-43ba-9de1-619e86f86241\" id=\"04f0ead8-fd96-43ba-9de1-619e86f86241-link\">1<\/a><\/sup> Immer wieder haben P\u00e4pste in den vergangenen rund 100 Jahren sehr kluge Gedanken entfaltet und an die jeweilige Zeit angepasst. Als katholische Soziallehre wird dieser wertvolle Schatz bezeichnet. In seinem Schreiben setzt sich Leo XIV. jetzt intensiv mit K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) auseinander, aber nicht blo\u00df als eine Technologie, die von Menschen genutzt werden kann. Der Papst warnt vor einer Denkweise, die die Begrenztheit und Schw\u00e4che von Menschen als einen Fehler betrachtet, der durch KI \u00fcberwunden werden kann. Leo macht deutlich: Nicht die Leistung darf im Mittelpunkt aller \u00dcberlegungen stehen, sondern der Mensch als Abbild Gottes (vgl. Nr. 12). Die W\u00fcrde des Menschen, die durch nichts vergr\u00f6\u00dfert oder vermindert werden kann, steht dabei im Zentrum. Doch genau die sieht er bedroht, wenn \u2013 wie er schreibt \u2013 \u00bbpers\u00f6nliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits\u00ab unterworfen werden (Nr. 92). Der Mensch wird darin \u00bbin erster Linie aufgrund von Leistungen bewertet [&#8230;], die er erbringt\u00ab (Nr. 94). Im Zuge der KI sieht er eine Anschauung aufkommen, in der menschliche Schw\u00e4chen um jeden Preis reduziert werden m\u00fcssen. Dann hat der Mensch aber nur noch die Aufgabe, sich st\u00e4ndig zu optimieren (vgl. Nr. 112).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem stellt Papst Leo XIV. das christliche Menschenbild entgegen, das uns im heutigen Evangelium begegnet: Ein Mensch, der Schw\u00e4chen hat und der Fehler macht und gerade deswegen darauf hoffen darf, dass Gott sich ihm zuwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Enzyklika greift der Papst die ganz gro\u00dfen Themen von Krieg und Frieden auf, aber sie lassen sich auch auf unser eigenes Leben herunterbrechen. Bin ich bereit, Schw\u00e4chen zu ertragen? Meine eigenen und die von anderen Menschen? Bin ich nachtragend oder bereit, Fehler zu verzeihen? Bei mir und bei anderen? Wo muss ich aufh\u00f6ren, Menschen zu beurteilen? Mich und andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gesellschaft, in die Jesus sich zum Essen begibt, kann ein guter Anlass sein, diese Fragen noch einmal neu zu bewerten, weil wir uns jetzt um <em>seinen <\/em>Tisch versammeln. Gott braucht nicht die Fehlerlosen. Gott braucht die, die Barmherzigkeit erfahren haben und die sie weitertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"04f0ead8-fd96-43ba-9de1-619e86f86241\">Leo XIV., Enzyiklika Magnifica humanitas. \u00dcber die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz. Vatikanstadt 2026, <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\">https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html<\/a> (6. Juni 2026) <a href=\"#04f0ead8-fd96-43ba-9de1-619e86f86241-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es die richtige Entscheidung Manuel Neuer wieder zur Nr. 1 der Fu\u00dfball-Nationalmannschaft zu machen? Die richtige Antwort auf die Frage wird man wohl erst nach dem Ende der Fu\u00dfball-WM kennen. Der Torh\u00fcter, der eigentlich schon aus dem Nationalteam zur\u00fcckgetreten war, ist nun doch erneut nominiert worden, weil er aus Sicht des Bundestrainers nach wie vor der Beste ist. Leistung entscheidet dar\u00fcber, ob man in der Nationalelf oder \u00fcberhaupt bei einem Leistungssport vorne dabei sein darf. Fehler f\u00fchren umgekehrt schnell dazu, dass man ausgeschlossen wird. Das ist vern\u00fcnftig, um als Mannschaft erfolgreich zu sein. Gerne umgibt man sich mit Menschen, die erfolgreich sind, um selbst ein bisschen von diesem Erfolg abzubekommen. Schw\u00e4chen und Fehler sind da eher unbeliebt. Jesus hingegen stellt sein Team nach anderen Kriterien zusammen, wie wir heute h\u00f6ren. Der Z\u00f6llner Matth\u00e4us wird von Jesus in sein Team gerufen: in den Kreis der zw\u00f6lf Apostel. Allein, dass Jesus sich mit Menschen wie ihm abgibt, sorgt schnell f\u00fcr Kritik in seinem Umfeld: Brauchen wir nicht gerade, wenn es um die Botschaft Gottes geht, die Fehlerlosen? Schlie\u00dflich darf doch kein Schatten auf die G\u00fcte Gottes fallen. Jesus bewertet das offenbar anders. Auch er hei\u00dft Fehler und Ausbeutung nicht gut. Vehement ruft er die Menschen immer wieder zur Umkehr auf. Aber f\u00fcr ihn z\u00e4hlt ein anderes Kriterium: Barmherzigkeit. Man k\u00f6nnte auch sagen: Zuwendung, Verst\u00e4ndnis \u2013 Vers\u00f6hnung. So bringt er ganz unterschiedliche Menschen zusammen: S\u00fcnder und Gerechte, St\u00e4rkere und Schw\u00e4chere. Aus ihnen bildet er eine Gemeinschaft: die Kirche. Nicht die Starken brauchen die Zuwendung, sondern die Schwachen, diejenigen, die gestolpert sind. Vor einigen Wochen hat Papst Leo XIV. ein viel beachtetes Schreiben ver\u00f6ffentlicht: die Enzyklika Magnifica humanitas. Immer wieder haben P\u00e4pste in den vergangenen rund 100 Jahren sehr kluge Gedanken entfaltet und an die jeweilige Zeit angepasst. Als katholische Soziallehre wird dieser wertvolle Schatz bezeichnet. In seinem Schreiben setzt sich Leo XIV. jetzt intensiv mit K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) auseinander, aber nicht blo\u00df als eine Technologie, die von Menschen genutzt werden kann. Der Papst warnt vor einer Denkweise, die die Begrenztheit und Schw\u00e4che von Menschen als einen Fehler betrachtet, der durch KI \u00fcberwunden werden kann. Leo macht deutlich: Nicht die Leistung darf im Mittelpunkt aller \u00dcberlegungen stehen, sondern der Mensch als Abbild Gottes (vgl. Nr. 12). Die W\u00fcrde des Menschen, die durch nichts vergr\u00f6\u00dfert oder vermindert werden kann, steht dabei im Zentrum. Doch genau die sieht er bedroht, wenn \u2013 wie er schreibt \u2013 \u00bbpers\u00f6nliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen allein der Logik der Effizienz, der Kontrolle und des Profits\u00ab unterworfen werden (Nr. 92). Der Mensch wird darin \u00bbin erster Linie aufgrund von Leistungen bewertet [&#8230;], die er erbringt\u00ab (Nr. 94). Im Zuge der KI sieht er eine Anschauung aufkommen, in der menschliche Schw\u00e4chen um jeden Preis reduziert werden m\u00fcssen. Dann hat der Mensch aber nur noch die Aufgabe, sich st\u00e4ndig zu optimieren (vgl. Nr. 112). Dem stellt Papst Leo XIV. das christliche Menschenbild entgegen, das uns im heutigen Evangelium begegnet: Ein Mensch, der Schw\u00e4chen hat und der Fehler macht und gerade deswegen darauf hoffen darf, dass Gott sich ihm zuwendet. In seiner Enzyklika greift der Papst die ganz gro\u00dfen Themen von Krieg und Frieden auf, aber sie lassen sich auch auf unser eigenes Leben herunterbrechen. Bin ich bereit, Schw\u00e4chen zu ertragen? Meine eigenen und die von anderen Menschen? Bin ich nachtragend oder bereit, Fehler zu verzeihen? Bei mir und bei anderen? Wo muss ich aufh\u00f6ren, Menschen zu beurteilen? Mich und andere. Die Gesellschaft, in die Jesus sich zum Essen begibt, kann ein guter Anlass sein, diese Fragen noch einmal neu zu bewerten, weil wir uns jetzt um seinen Tisch versammeln. Gott braucht nicht die Fehlerlosen. 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