{"id":505,"date":"2025-12-28T12:00:00","date_gmt":"2025-12-28T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=505"},"modified":"2026-01-02T21:24:06","modified_gmt":"2026-01-02T19:24:06","slug":"menschwerdung-in-der-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=505","title":{"rendered":"Menschwerdung in der Familie"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie hat Jesus wohl seine Kindheit verbracht? Nach der Geburt schweigt die Bibel \u00fcber die ersten drei\u00dfig Jahre des Lebens Jesu \u2013 mit einer Ausnahme, wo \u00fcber den zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel berichtet wird. Die Frage zu beantworten, ist also ziemlich spekulativ. Aber ich halte es f\u00fcr eine wichtige Frage, weil die Kindheit das Leben Jesu gepr\u00e4gt haben d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon das Matth\u00e4us-Evangelium davon berichtet, dass Josef nicht der Vater Jesu ist, d\u00fcrfte das den Menschen in Nazareth auch bekannt gewesen sein. Das, was wir im Glauben bekennen, n\u00e4mlich dass der Heilige Geist Gottes \u00fcber Maria kam, d\u00fcrfte im Alltag der Umgebung kaum zu vermitteln gewesen sein. Wenn es sich also wirklich herumgesprochen hat, d\u00fcrfte Jesus bei den Kindern in seiner Umgebung keinen leichten Stand gehabt haben. Vielleicht \u2013 auch das ist nat\u00fcrlich Spekulation \u2013 hat sich das Gef\u00fchl, ausgegrenzt zu werden, dazu beigetragen, dass er sich als Erwachsener gerade den Menschen zugewendet hat, die von der Gesellschaft ausgesto\u00dfen waren. Gerade weil er erfahren hat, wie sich das anf\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Spekulation aber ist, dass die Heilige Familie keine <em>heile<\/em> Familie gewesen ist. Das Evangelium berichtet heute, wie die Familie vor Verfolgung und Gewalt fliehen muss. Selbst wenn die Flucht nicht nach \u00c4gypten gef\u00fchrt haben sollte, wird an dieser Erfahrung etwas dran sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Erwachsener hatte Jesus ein merkw\u00fcrdig <em>distanziertes<\/em> Verh\u00e4ltnis zu seiner Familie. Denken wir nur daran, wie er in seiner Heimat abgelehnt wird (vgl. M 6,1\u20136a) oder wie seine Verwandten ihn mit Gewalt nach Hause zur\u00fcckholen wollen, weil sie den Eindruck haben, er sei verr\u00fcckt geworden (vgl. Mk 3,21). Jesus sp\u00fcrt, der Ort, wo er zuhause ist, wo er aufgewachsen ist, wo er den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens verbracht hat, ist nicht das Ziel seiner Sendung. Sondern das ist die Familie im Reich Gottes, die er sammeln will um Gott, den er als seinen Vater bezeichnet. Darin dr\u00fcckt sich auch eine menschliche Sehnsucht aus nach einer idealen Gemeinschaft, auf die wir bei Gott hoffen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die irdische Familie um Maria und Josef ist aber gleichwohl ein wesentlicher Teil seiner Menschwerdung. Denn genau das feiern wir ja an Weihnachten und so ist wohl auch das Fest der Heiligen Familie zu verstehen. Die Menschwerdung ist nicht damit abgeschlossen, dass Jesus geboren wird als Mensch. Die Menschwerdung geht \u00fcber das Biologische hinaus. Jesus als der ewige Sohn Gottes wird in den Beziehungen, die er in seiner Familie erf\u00e4hrt, erst voll zum Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geht uns doch auch so. Mit unserer Geburt sind wir noch kein vollst\u00e4ndiger Mensch. Was wir brauchen, sind die Erfahrungen, zu einer Gemeinschaft zu geh\u00f6ren, in der wir W\u00e4rme und Geborgenheit sp\u00fcren. Da ist die Familie f\u00fcr die meisten der erste und wichtigste Ort. Wo das fehlt, muss man sich umso mehr anstrengen und aufgefangen werden. Einrichtungen wie das Don-Bosco-Heim hier bei uns in der Pfarre versuchen sehr engagiert, diese L\u00fccke zu f\u00fcllen. F\u00fcr mich ist es an Weihnachten immer ber\u00fchrend, mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Heim einen Gottesdienst zu feiern. Es ist ein schwerer Tag f\u00fcr sie, weil die meisten eben nicht in ihre Familien k\u00f6nnen und feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie ist ein pr\u00e4gender Ort f\u00fcr Kinder. Aber auch die Eltern entwickeln sich als Familie weiter, lernen dazu, ver\u00e4ndern ihre Ansichten. Auch Maria und Josef d\u00fcrften gepr\u00e4gt worden sein von den Erfahrungen, die sie mit Jesus machen. Nicht zuletzt d\u00fcrfte sich ihr Glaube und ihr tiefes Vertrauen in Gott noch einmal gewandelt haben, gerade deswegen vielleicht, weil sie den Weg Jesu nicht immer verstehen konnten. Und doch ist Maria am Ende des irdischen Lebens ihres Sohnes an seiner Seite. Und sie bleibt es \u00fcber die Himmelfahrt und ihren eigenen Tod hinaus. Sie ist mit Leib und Seele in die volle Gemeinschaft mit Jesus und Gott, dem Vater im Himmel, aufgenommen. Eine Hoffnung, auf die auch wir zugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie, in der Jesus aufw\u00e4chst, ist nicht frei von Schw\u00e4chen und Herausforderungen. Sie darf nicht idealisiert werden. Aber sie ist dennoch heilig, weil Gott sie f\u00fcr seinen Sohn ausgew\u00e4hlt hat. Hier kann Jesus heranwachsen und lernen. Hier kann er mit all den schwierigen Situationen das Leben erfahren. In seiner Familie kann Jesus Mensch werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie hat Jesus wohl seine Kindheit verbracht? Nach der Geburt schweigt die Bibel \u00fcber die ersten drei\u00dfig Jahre des Lebens Jesu \u2013 mit einer Ausnahme, wo \u00fcber den zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jesus im Tempel berichtet wird. Die Frage zu beantworten, ist also ziemlich spekulativ. Aber ich halte es f\u00fcr eine wichtige Frage, weil die Kindheit das Leben Jesu gepr\u00e4gt haben d\u00fcrfte. Wenn schon das Matth\u00e4us-Evangelium davon berichtet, dass Josef nicht der Vater Jesu ist, d\u00fcrfte das den Menschen in Nazareth auch bekannt gewesen sein. Das, was wir im Glauben bekennen, n\u00e4mlich dass der Heilige Geist Gottes \u00fcber Maria kam, d\u00fcrfte im Alltag der Umgebung kaum zu vermitteln gewesen sein. Wenn es sich also wirklich herumgesprochen hat, d\u00fcrfte Jesus bei den Kindern in seiner Umgebung keinen leichten Stand gehabt haben. Vielleicht \u2013 auch das ist nat\u00fcrlich Spekulation \u2013 hat sich das Gef\u00fchl, ausgegrenzt zu werden, dazu beigetragen, dass er sich als Erwachsener gerade den Menschen zugewendet hat, die von der Gesellschaft ausgesto\u00dfen waren. Gerade weil er erfahren hat, wie sich das anf\u00fchlt. Keine Spekulation aber ist, dass die Heilige Familie keine heile Familie gewesen ist. Das Evangelium berichtet heute, wie die Familie vor Verfolgung und Gewalt fliehen muss. Selbst wenn die Flucht nicht nach \u00c4gypten gef\u00fchrt haben sollte, wird an dieser Erfahrung etwas dran sein. Als Erwachsener hatte Jesus ein merkw\u00fcrdig distanziertes Verh\u00e4ltnis zu seiner Familie. Denken wir nur daran, wie er in seiner Heimat abgelehnt wird (vgl. M 6,1\u20136a) oder wie seine Verwandten ihn mit Gewalt nach Hause zur\u00fcckholen wollen, weil sie den Eindruck haben, er sei verr\u00fcckt geworden (vgl. Mk 3,21). Jesus sp\u00fcrt, der Ort, wo er zuhause ist, wo er aufgewachsen ist, wo er den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens verbracht hat, ist nicht das Ziel seiner Sendung. Sondern das ist die Familie im Reich Gottes, die er sammeln will um Gott, den er als seinen Vater bezeichnet. Darin dr\u00fcckt sich auch eine menschliche Sehnsucht aus nach einer idealen Gemeinschaft, auf die wir bei Gott hoffen d\u00fcrfen. Die irdische Familie um Maria und Josef ist aber gleichwohl ein wesentlicher Teil seiner Menschwerdung. Denn genau das feiern wir ja an Weihnachten und so ist wohl auch das Fest der Heiligen Familie zu verstehen. Die Menschwerdung ist nicht damit abgeschlossen, dass Jesus geboren wird als Mensch. Die Menschwerdung geht \u00fcber das Biologische hinaus. Jesus als der ewige Sohn Gottes wird in den Beziehungen, die er in seiner Familie erf\u00e4hrt, erst voll zum Menschen. Das geht uns doch auch so. Mit unserer Geburt sind wir noch kein vollst\u00e4ndiger Mensch. Was wir brauchen, sind die Erfahrungen, zu einer Gemeinschaft zu geh\u00f6ren, in der wir W\u00e4rme und Geborgenheit sp\u00fcren. Da ist die Familie f\u00fcr die meisten der erste und wichtigste Ort. Wo das fehlt, muss man sich umso mehr anstrengen und aufgefangen werden. Einrichtungen wie das Don-Bosco-Heim hier bei uns in der Pfarre versuchen sehr engagiert, diese L\u00fccke zu f\u00fcllen. F\u00fcr mich ist es an Weihnachten immer ber\u00fchrend, mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Heim einen Gottesdienst zu feiern. Es ist ein schwerer Tag f\u00fcr sie, weil die meisten eben nicht in ihre Familien k\u00f6nnen und feiern. Die Familie ist ein pr\u00e4gender Ort f\u00fcr Kinder. Aber auch die Eltern entwickeln sich als Familie weiter, lernen dazu, ver\u00e4ndern ihre Ansichten. Auch Maria und Josef d\u00fcrften gepr\u00e4gt worden sein von den Erfahrungen, die sie mit Jesus machen. Nicht zuletzt d\u00fcrfte sich ihr Glaube und ihr tiefes Vertrauen in Gott noch einmal gewandelt haben, gerade deswegen vielleicht, weil sie den Weg Jesu nicht immer verstehen konnten. Und doch ist Maria am Ende des irdischen Lebens ihres Sohnes an seiner Seite. Und sie bleibt es \u00fcber die Himmelfahrt und ihren eigenen Tod hinaus. Sie ist mit Leib und Seele in die volle Gemeinschaft mit Jesus und Gott, dem Vater im Himmel, aufgenommen. Eine Hoffnung, auf die auch wir zugehen. 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