{"id":497,"date":"2025-12-26T21:25:43","date_gmt":"2025-12-26T19:25:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=497"},"modified":"2025-12-29T14:02:35","modified_gmt":"2025-12-29T12:02:35","slug":"krippe-und-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=497","title":{"rendered":"Krippe und Kreuz"},"content":{"rendered":"\n<p>Gestern noch ein kleines Kind, heute schon ein Erwachsener, der seine J\u00fcnger auf Ungemach vorbereitet. Gestern noch das friedliche Bild in der Krippe, heute schon die Steinigung des ersten M\u00e4rtyrers Stephanus. Zwischen dem ersten und dem zweiten Weihnachtstag k\u00f6nnte der Kontrast kaum gr\u00f6\u00dfer sein. Nicht nur, dass wir einen Zeitsprung von 35, vielleicht 40 Jahren machen, auch die Emotionen sind ganz andere. Das dr\u00fcckt sich auch in den liturgischen Farben aus: gestern noch frohes wei\u00df, heute das blutrote Gewand.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch ist es <em>gerade<\/em> der Kontrast, der unseren christlichen Glauben auszeichnet. Freud und Leid liegen eng beieinander \u2013 da dr\u00fcckt der Glaube zutiefst menschliche Erfahrungen aus. Auch in dem, was wir feiern, vermischt sich beides.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Weihnachten, die Geburt Jesu, ist <em>auch<\/em> nicht einfach nur die heile Welt, die uns Texte und Lieder aus dem 19. Jahrhundert vermitteln wollen. Eher nicht der \u00bbholde Knabe im lockigen Haar\u00ab. Eher eine bedrohliche Lage, um in diese Welt geboren zu werden. Und auch das: \u00bbdich will ich lieben sehr in Freuden und in Schmerzen, je l\u00e4nger mehr und mehr\u00ab, wie es in der dritten Strophe von \u00bbZu Betlehem geboren\u00ab hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bild des niederl\u00e4ndischen Malers <dfn>Rogier van der Weyden<\/dfn> zeigt \u00fcber der Krippe schon das Kreuz Jesu. Der Tod ist da sozusagen schon vorgezeichnet. Wenn wir das Weihnachtslied <em>Adeste fideles<\/em> singen, hei\u00dft es darin: <em>venite adoremus<\/em> (\u00bbKommt, lasset uns anbeten\u00ab). Derselbe Satz wird in der Karfreitagsliturgie gesungen, wenn das Kreuz verehrt wird. Hier wird der Sohn Gottes in der Grippe angebetet, dort das Kreuz, an dem er stirbt. Weihnachten und Karfreitag, Leben und Tod, Freude und Leid begegnen sich also auch schon an Weihnachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Also keine Idylle? Was bleibt dann von der Freude von Weihnachten? Vielleicht ein realistischer Blick auf das, was wir da eigentlich feiern. Die Geburt Jesu ist der Beginn (vielleicht eher ein erster H\u00f6hepunkt) von dem, was wir zurecht als \u00bbHeilsgeschichte\u00ab bezeichnen. Das ist aber nicht der Anfang einer heilen Welt, sondern die Aufforderung an uns Getaufte, diese gute Nachricht in die Welt zu bringen, dass Gott die Welt gerettet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geburt Jesu ist ein radikaler Umbruch: Gott kommt uns hautnah. Das <em>muss<\/em> irritieren, sonst ist die Botschaft nicht richtig verstanden worden. Und was irritiert, wird h\u00e4ufig abgelehnt, weil es unbequem ist. Jesus ruft seine J\u00fcnger:innen deswegen zu Vorsicht auf: \u00bbNehmt euch vor den Menschen in Acht! Sie werden euch den Gerichten ausliefern.\u00ab Das ist die reale Erfahrung, die der Evangelist Matth\u00e4us dem erwachsenen Jesus hier in den Mund legt. Und trotzdem mutet uns Jesus zu, weiterzumachen: \u00bbMacht euch keine Sorgen\u00ab. Denn: \u00bbWer standhaft bleibt, wird gerettet.\u00ab Da ist sie wieder: die Aussicht auf Rettung. Jesus warnt und best\u00e4rkt zugleich. Weil die Aussicht so hoffnungsvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Getaufte sollen wir uns nicht in unsere eigene Bubble zur\u00fcckziehen, wo alle so denken wie wir. Wir sollen uns nicht abgrenzen, sondern unters Volk mischen, nicht verbissen, sondern fr\u00f6hlich, weil die Botschaft froh ist. Einsatz und Haltung zeigen, mit klaren Worten, ohne zu verletzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stephanus hat durch <em>seine<\/em> Worte den Glauben an Jesus Christus bezeugt, weil er es ihm wert war. Er hat alles daf\u00fcr riskiert \u2013 und ist belohnt worden mit dem Blick auf den \u00bbMenschensohn zur Rechten Gottes\u00ab. Wir sollten uns auch fragen: \u00bbWo lohnt es sich f\u00fcr mich, etwas zu riskieren.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern noch ein kleines Kind, heute schon ein Erwachsener, der seine J\u00fcnger auf Ungemach vorbereitet. 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Und auch das: \u00bbdich will ich lieben sehr in Freuden und in Schmerzen, je l\u00e4nger mehr und mehr\u00ab, wie es in der dritten Strophe von \u00bbZu Betlehem geboren\u00ab hei\u00dft. Ein Bild des niederl\u00e4ndischen Malers Rogier van der Weyden zeigt \u00fcber der Krippe schon das Kreuz Jesu. Der Tod ist da sozusagen schon vorgezeichnet. Wenn wir das Weihnachtslied Adeste fideles singen, hei\u00dft es darin: venite adoremus (\u00bbKommt, lasset uns anbeten\u00ab). Derselbe Satz wird in der Karfreitagsliturgie gesungen, wenn das Kreuz verehrt wird. Hier wird der Sohn Gottes in der Grippe angebetet, dort das Kreuz, an dem er stirbt. Weihnachten und Karfreitag, Leben und Tod, Freude und Leid begegnen sich also auch schon an Weihnachten. Also keine Idylle? Was bleibt dann von der Freude von Weihnachten? Vielleicht ein realistischer Blick auf das, was wir da eigentlich feiern. Die Geburt Jesu ist der Beginn (vielleicht eher ein erster H\u00f6hepunkt) von dem, was wir zurecht als \u00bbHeilsgeschichte\u00ab bezeichnen. Das ist aber nicht der Anfang einer heilen Welt, sondern die Aufforderung an uns Getaufte, diese gute Nachricht in die Welt zu bringen, dass Gott die Welt gerettet hat. Die Geburt Jesu ist ein radikaler Umbruch: Gott kommt uns hautnah. Das muss irritieren, sonst ist die Botschaft nicht richtig verstanden worden. Und was irritiert, wird h\u00e4ufig abgelehnt, weil es unbequem ist. Jesus ruft seine J\u00fcnger:innen deswegen zu Vorsicht auf: \u00bbNehmt euch vor den Menschen in Acht! Sie werden euch den Gerichten ausliefern.\u00ab Das ist die reale Erfahrung, die der Evangelist Matth\u00e4us dem erwachsenen Jesus hier in den Mund legt. Und trotzdem mutet uns Jesus zu, weiterzumachen: \u00bbMacht euch keine Sorgen\u00ab. Denn: \u00bbWer standhaft bleibt, wird gerettet.\u00ab Da ist sie wieder: die Aussicht auf Rettung. Jesus warnt und best\u00e4rkt zugleich. Weil die Aussicht so hoffnungsvoll ist. Als Getaufte sollen wir uns nicht in unsere eigene Bubble zur\u00fcckziehen, wo alle so denken wie wir. Wir sollen uns nicht abgrenzen, sondern unters Volk mischen, nicht verbissen, sondern fr\u00f6hlich, weil die Botschaft froh ist. Einsatz und Haltung zeigen, mit klaren Worten, ohne zu verletzen. Stephanus hat durch seine Worte den Glauben an Jesus Christus bezeugt, weil er es ihm wert war. Er hat alles daf\u00fcr riskiert \u2013 und ist belohnt worden mit dem Blick auf den \u00bbMenschensohn zur Rechten Gottes\u00ab. 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