{"id":468,"date":"2025-12-24T22:00:00","date_gmt":"2025-12-24T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=468"},"modified":"2025-12-26T19:10:53","modified_gmt":"2025-12-26T17:10:53","slug":"mit-gott-unter-einem-dach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=468","title":{"rendered":"Mit Gott unter einem Dach"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Wort <em>heilig<\/em> kommt heute ganz h\u00e4ufig vor: Der <em>Heilige Abend; Stille Nacht, heiligen Nacht<\/em> hei\u00dft es in den Liedern oder <em>hochheilige Nacht<\/em>, ja sogar <em>heiligste Nacht<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles in unserem Alltagsleben bezeichnen wir auch als heilig: Gesundheit; Zeit f\u00fcr uns, unsere Familie, unseren Freundeskreis; manchen ist das Auto oder ein anderer Gegenstand heilig; mir ist mein Volleyball-Team heilig, wo ich immer wieder abschalten und mich auspowern kann. Wenn uns etwas <em>heilig<\/em> ist, investieren wir viel Zeit und Energie da hinein. Da muss alles passen.<\/p>\n\n\n\n<p>An Weihnachten besteht die Gefahr, dass wir den Heiligen Abend in derselben Weise verstehen. Alles muss m\u00f6glichst perfekt sein, nichts darf die Atmosph\u00e4re st\u00f6ren. Eine heile Welt eben. Gerade weil diese Welt zurzeit alles andere als heil ist. Sie wirkt im Gegenteil ziemlich verletzt und verwundet: durch Kriege, zahllose Krisen und durch Umweltzerst\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das Heilige, das mit Weihnachten zu tun hat, ist ganz anders. Es schafft nicht einfach eine heile Welt. Dieses Heilige h\u00e4ngt mit dem zusammen, was wir heute feiern: die Geburt Jesu, der mit dem etwas altmodischen Wort als <em>Heiland <\/em>bezeichnet wird. Gebr\u00e4uchlicher ist eher das Wort Retter, das auch den Engeln im Evangelium in den Mund gelegt wird: \u00bbHeute ist euch [&#8230;] der Retter geboren.\u00ab (Lk 2,11) Damit sagen sie nichts anderes als: Jesus ist derjenige, der Heilung bringt, der die Welt heilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott selbst heiligt diese Welt. Denn mit Jesus wird nicht blo\u00df ein Mensch geboren, sondern es geschieht das unvorstellbare: Gott wird in diese Welt geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott bleibt kein fremdes Wesen, das weit entfernt existiert und sich nicht f\u00fcr uns interessiert. Gott ist nicht blo\u00df der Sch\u00f6pfer, der nach getaner Arbeit seiner Sch\u00f6pfung gegen\u00fcbersitzt und sie aus der Ferne beobachtet. Sondern: Gott <em>verbindet<\/em> sich mit seiner Sch\u00f6pfung. Gott zeigt sich solidarisch mit ihr, Gott sagt \u00bbJa\u00ab zu jeder Einzelnen. Diese beiden scheinbar so verschiedenen Welten \u2013 Gott in der H\u00f6he und die Menschen hier unten \u2013 werden durch Jesus miteinander vereint. Das wird in dem einen Satz der Engel deutlich: \u00bbEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erde den Menschen\u00ab (Lk 2,14). Gott wohnt in seiner Sch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das hat Folgen f\u00fcr unser Leben. Wenn wir mit Gott unter einem Dach leben, haben wir auch eine Verantwortung f\u00fcr dieses gemeinsame Haus namens Welt, von dem der verstorbene Papst Franziskus gerne gesprochen hat.<sup data-fn=\"0cbf147b-17a1-4c65-9a6d-b08269c3b4cc\" class=\"fn\"><a href=\"#0cbf147b-17a1-4c65-9a6d-b08269c3b4cc\" id=\"0cbf147b-17a1-4c65-9a6d-b08269c3b4cc-link\">1<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Verantwortung besteht zwar <em>nicht<\/em> darin, die Welt zu retten \u2013 das d\u00fcrfen wir getrost Gott \u00fcberlassen \u2013, aber wir d\u00fcrfen uns schon fragen, wo wir die Welt eher als unheilig oder unwichtig behandeln. Viel ist schon dann erreicht, wenn wir wahrnehmen, wie sch\u00f6n und wie liebenswert diese Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn dann handeln wir aus eigenem Interesse, nicht blo\u00df aus schlechtem Gewissen. Dann sp\u00fcren wir nicht zuerst, dass wir auf etwas verzichten, sondern dass sich diese Anstrengung auch f\u00fcr uns lohnt. Ich pers\u00f6nlich genie\u00dfe es mittlerweile beispielsweise, dass ich so viele Wege mit dem Fahrrad zur\u00fccklegen kann und nicht st\u00e4ndig auf das Auto angewiesen bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Und viele Menschen denken zum Gl\u00fcck ganz \u00e4hnlich. Mut macht mir dabei, dass sich zwei Drittel der Deutschen k\u00fcrzlich in einer Umfrage bereiterkl\u00e4rt haben, mehr f\u00fcr das Klima \u2013 und damit f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t \u2013 zu tun. Da k\u00f6nnen wir richtig etwas bewegen. Und wir m\u00fcssen es auch. Das Hilfswerk Adveniat lenkt unseren Blick in diesem Jahr auf das Amazonasgebiet, wo etliche Menschen darunter leiden, dass W\u00e4lder gerodet werden und das Trinkwasser durch austretendes Erd\u00f6l verseucht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Christ sp\u00fcre ich da vielleicht noch einen Tick mehr meine Verantwortung, weil ich die Welt nicht nur als ein Ergebnis von Zuf\u00e4llen begreife, sondern weil ich glaube, dass Gott sie geschaffen hat und Gott in Jesus sogar in diese Sch\u00f6pfung hineingekommen ist. Wenn Gott diese Welt so sehr liebt und sie mit der Geburt Jesu heiligt, dann sollten wir sie genauso heilig halten. Und das tun wir vor allem in der Art, wie wir mit ihr umgehen.<\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"0cbf147b-17a1-4c65-9a6d-b08269c3b4cc\">Vgl. Franziskus, <em>Enzyklika Laudato Si&#8216;<\/em>, Vatikanstadt 2015, Nr. 13 u.\u00f6.: URL: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html\">https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html<\/a> (Zugriff am 26.12.2025) <a href=\"#0cbf147b-17a1-4c65-9a6d-b08269c3b4cc-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort heilig kommt heute ganz h\u00e4ufig vor: Der Heilige Abend; Stille Nacht, heiligen Nacht hei\u00dft es in den Liedern oder hochheilige Nacht, ja sogar heiligste Nacht. Vieles in unserem Alltagsleben bezeichnen wir auch als heilig: Gesundheit; Zeit f\u00fcr uns, unsere Familie, unseren Freundeskreis; manchen ist das Auto oder ein anderer Gegenstand heilig; mir ist mein Volleyball-Team heilig, wo ich immer wieder abschalten und mich auspowern kann. Wenn uns etwas heilig ist, investieren wir viel Zeit und Energie da hinein. Da muss alles passen. An Weihnachten besteht die Gefahr, dass wir den Heiligen Abend in derselben Weise verstehen. Alles muss m\u00f6glichst perfekt sein, nichts darf die Atmosph\u00e4re st\u00f6ren. Eine heile Welt eben. Gerade weil diese Welt zurzeit alles andere als heil ist. Sie wirkt im Gegenteil ziemlich verletzt und verwundet: durch Kriege, zahllose Krisen und durch Umweltzerst\u00f6rung. Doch das Heilige, das mit Weihnachten zu tun hat, ist ganz anders. Es schafft nicht einfach eine heile Welt. Dieses Heilige h\u00e4ngt mit dem zusammen, was wir heute feiern: die Geburt Jesu, der mit dem etwas altmodischen Wort als Heiland bezeichnet wird. Gebr\u00e4uchlicher ist eher das Wort Retter, das auch den Engeln im Evangelium in den Mund gelegt wird: \u00bbHeute ist euch [&#8230;] der Retter geboren.\u00ab (Lk 2,11) Damit sagen sie nichts anderes als: Jesus ist derjenige, der Heilung bringt, der die Welt heilt. Gott selbst heiligt diese Welt. Denn mit Jesus wird nicht blo\u00df ein Mensch geboren, sondern es geschieht das unvorstellbare: Gott wird in diese Welt geboren. Gott bleibt kein fremdes Wesen, das weit entfernt existiert und sich nicht f\u00fcr uns interessiert. Gott ist nicht blo\u00df der Sch\u00f6pfer, der nach getaner Arbeit seiner Sch\u00f6pfung gegen\u00fcbersitzt und sie aus der Ferne beobachtet. Sondern: Gott verbindet sich mit seiner Sch\u00f6pfung. Gott zeigt sich solidarisch mit ihr, Gott sagt \u00bbJa\u00ab zu jeder Einzelnen. Diese beiden scheinbar so verschiedenen Welten \u2013 Gott in der H\u00f6he und die Menschen hier unten \u2013 werden durch Jesus miteinander vereint. Das wird in dem einen Satz der Engel deutlich: \u00bbEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erde den Menschen\u00ab (Lk 2,14). Gott wohnt in seiner Sch\u00f6pfung. Und das hat Folgen f\u00fcr unser Leben. Wenn wir mit Gott unter einem Dach leben, haben wir auch eine Verantwortung f\u00fcr dieses gemeinsame Haus namens Welt, von dem der verstorbene Papst Franziskus gerne gesprochen hat. Unsere Verantwortung besteht zwar nicht darin, die Welt zu retten \u2013 das d\u00fcrfen wir getrost Gott \u00fcberlassen \u2013, aber wir d\u00fcrfen uns schon fragen, wo wir die Welt eher als unheilig oder unwichtig behandeln. Viel ist schon dann erreicht, wenn wir wahrnehmen, wie sch\u00f6n und wie liebenswert diese Welt ist. Denn dann handeln wir aus eigenem Interesse, nicht blo\u00df aus schlechtem Gewissen. Dann sp\u00fcren wir nicht zuerst, dass wir auf etwas verzichten, sondern dass sich diese Anstrengung auch f\u00fcr uns lohnt. Ich pers\u00f6nlich genie\u00dfe es mittlerweile beispielsweise, dass ich so viele Wege mit dem Fahrrad zur\u00fccklegen kann und nicht st\u00e4ndig auf das Auto angewiesen bin. Und viele Menschen denken zum Gl\u00fcck ganz \u00e4hnlich. Mut macht mir dabei, dass sich zwei Drittel der Deutschen k\u00fcrzlich in einer Umfrage bereiterkl\u00e4rt haben, mehr f\u00fcr das Klima \u2013 und damit f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t \u2013 zu tun. Da k\u00f6nnen wir richtig etwas bewegen. Und wir m\u00fcssen es auch. Das Hilfswerk Adveniat lenkt unseren Blick in diesem Jahr auf das Amazonasgebiet, wo etliche Menschen darunter leiden, dass W\u00e4lder gerodet werden und das Trinkwasser durch austretendes Erd\u00f6l verseucht wird. Als Christ sp\u00fcre ich da vielleicht noch einen Tick mehr meine Verantwortung, weil ich die Welt nicht nur als ein Ergebnis von Zuf\u00e4llen begreife, sondern weil ich glaube, dass Gott sie geschaffen hat und Gott in Jesus sogar in diese Sch\u00f6pfung hineingekommen ist. Wenn Gott diese Welt so sehr liebt und sie mit der Geburt Jesu heiligt, dann sollten wir sie genauso heilig halten. Und das tun wir vor allem in der Art, wie wir mit ihr umgehen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":471,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"[{\"content\":\"Vgl. 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