{"id":404,"date":"2023-12-03T12:45:35","date_gmt":"2023-12-03T10:45:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=404"},"modified":"2023-12-28T13:07:48","modified_gmt":"2023-12-28T11:07:48","slug":"haengen-wir-in-der-warteschleife","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=404","title":{"rendered":"H\u00e4ngen wir in der Warteschleife?"},"content":{"rendered":"\n<p>Die anstrengendsten Telefonate sind f\u00fcr mich Warteschleifen. \u201eZurzeit sind alle Mitarbeiter:innen in einem Gespr\u00e4ch\u201c, hei\u00dft es dann oft. Manchmal folgt dann noch der Zusatz: \u201eDie aktuelle Wartezeit betr\u00e4gt zehn Minuten.\u201c Oft ist das der Moment, wo ich auflege, um es zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. Manchmal ist das Anliegen aber so wichtig, dass ich eben doch warte und die Zeit in Kauf nehme. Allerdings mache ich dann nebenher h\u00e4ufig noch irgendetwas anderes. Wenn es dann auf einmal in der Leitung klickt und eine menschliche Stimme mich begr\u00fc\u00dft, muss ich dann erstmal meine Konzentration wiederfinden, um zu formulieren, weshalb ich anrufe.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Warten ist es also wichtig, auch \u00fcber eine lange Zeit aufmerksam zu bleiben, um im richtigen Moment dann nicht das Eigentliche zu verpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Adventszeit ist ja auch so eine Wartezeit. Gerade f\u00fcr Kinder ist es eine aufregende Zeit: eine Kerze nach der anderen anz\u00fcnden, ein T\u00fcrchen nach dem anderen \u00f6ffnen, und irgendwann ist er da der gro\u00dfe Tage: Heilig Abend, Weihnachten!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns Erwachsene kann es etwas n\u00fcchterner sein. Die Zeit des Wartens ist klar umrissen: drei bis vier Wochen, dann ist eben Weihnachten. Alle Jahre wieder. Wundersch\u00f6n zwar hoffentlich, aber doch planbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit der Adventszeit. Denn die Kirche verbindet mit der Zeit eine doppelte Wartezeit. Einerseits nat\u00fcrlich die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, eines der wichtigsten Feste unseres Glaubens, weil wir uns erinnern, dass Jesus geboren wurde oder \u2013 etwas theologischer \u2013 dass Gott Mensch geworden ist, um uns zu erl\u00f6sen. Deswegen ist es gut sich darauf besonders vorzubereiten. Und dennoch: diese Geburt ist ja abgeschlossen, also <em>nur<\/em> eine Erinnerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Adventszeit ist aber noch eine weitere Erwartung verbunden: das Warten auf die sogenannte zweite Ankunft Christi, wenn er wiederkommen wird, um die Welt zu vollenden, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser Wiederkunft spricht Jesus im heutigen Evangelium. Und da sind wir deutlich n\u00e4her an der Warteschleife, denn wir wissen nicht, wann das sein wird und was dann genau passiert, aber wir wissen, dass es immens wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen ermahnt Jesus uns, die Aufmerksamkeit hochzuhalten: \u201eSeid wachsam\u201c, sagt er gleich dreimal (und noch einmal in Bezug auf den T\u00fcrh\u00fcter im Vergleich).<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie schaffen wir das? Paulus bezeichnet diese Zeit zwischen der ersten und zweiten Ankunft als \u201eGnadenzeit\u201c, also eine geschenkte Zeit und nicht als eine Zeit ungeduldigen Wartens. Eine Zeit also, die wir bewusst gestalten sollen. Um wachsam zu sein, brauche ich zum einen Aufmerksamkeit und ich brauche etwas, das vielleicht am besten mit einem altmodischen Begriff zu beschreiben ist: Mu\u00dfe. Also die M\u00f6glichkeit, mir auch die Zeit zu nehmen, etwas jenseits von meinem Allt\u00e4glichen wahrzunehmen. Mich dem Stress zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben eine Herausforderung, vielleicht gerade in einer Adventszeit, die so sehr von Erwartungen an sich selbst und andere gepr\u00e4gt ist. Das Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz, katholisch.de, begleitet die Adventszeit in diesem Jahr mit der Aktion <em>Weihnachten muss nicht. Weihnachten ist.<\/em> Damit m\u00f6chte es dazu ermutigen, sich der echten Gef\u00fchle bewusst zu werden: Ich muss nicht fr\u00f6hlich sein, weil man das eben so macht. Ich darf nachdenklich sein, aber auch ausgelassen. Wichtig ist, in sich hineinzuh\u00f6ren, ehrlich mit sich zu sein. Auch das erfordert es, wahrzunehmen, wie es mir geht. Dazu brauche ich Mu\u00dfe. Dann habe ich auch die Sensoren, um wachsam zu sein und mich auf die zweite Ankunft Jesu vorzubereiten. Lassen Sie uns daf\u00fcr sorgen, dass diese besondere Zeit wirklich etwas Besonderes ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die anstrengendsten Telefonate sind f\u00fcr mich Warteschleifen. \u201eZurzeit sind alle Mitarbeiter:innen in einem Gespr\u00e4ch\u201c, hei\u00dft es dann oft. Manchmal folgt dann noch der Zusatz: \u201eDie aktuelle Wartezeit betr\u00e4gt zehn Minuten.\u201c Oft ist das der Moment, wo ich auflege, um es zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. Manchmal ist das Anliegen aber so wichtig, dass ich eben doch warte und die Zeit in Kauf nehme. Allerdings mache ich dann nebenher h\u00e4ufig noch irgendetwas anderes. Wenn es dann auf einmal in der Leitung klickt und eine menschliche Stimme mich begr\u00fc\u00dft, muss ich dann erstmal meine Konzentration wiederfinden, um zu formulieren, weshalb ich anrufe. Beim Warten ist es also wichtig, auch \u00fcber eine lange Zeit aufmerksam zu bleiben, um im richtigen Moment dann nicht das Eigentliche zu verpassen. Die Adventszeit ist ja auch so eine Wartezeit. Gerade f\u00fcr Kinder ist es eine aufregende Zeit: eine Kerze nach der anderen anz\u00fcnden, ein T\u00fcrchen nach dem anderen \u00f6ffnen, und irgendwann ist er da der gro\u00dfe Tage: Heilig Abend, Weihnachten! F\u00fcr uns Erwachsene kann es etwas n\u00fcchterner sein. Die Zeit des Wartens ist klar umrissen: drei bis vier Wochen, dann ist eben Weihnachten. Alle Jahre wieder. Wundersch\u00f6n zwar hoffentlich, aber doch planbar. Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit der Adventszeit. Denn die Kirche verbindet mit der Zeit eine doppelte Wartezeit. Einerseits nat\u00fcrlich die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, eines der wichtigsten Feste unseres Glaubens, weil wir uns erinnern, dass Jesus geboren wurde oder \u2013 etwas theologischer \u2013 dass Gott Mensch geworden ist, um uns zu erl\u00f6sen. Deswegen ist es gut sich darauf besonders vorzubereiten. Und dennoch: diese Geburt ist ja abgeschlossen, also nur eine Erinnerung. Mit der Adventszeit ist aber noch eine weitere Erwartung verbunden: das Warten auf die sogenannte zweite Ankunft Christi, wenn er wiederkommen wird, um die Welt zu vollenden, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Von dieser Wiederkunft spricht Jesus im heutigen Evangelium. Und da sind wir deutlich n\u00e4her an der Warteschleife, denn wir wissen nicht, wann das sein wird und was dann genau passiert, aber wir wissen, dass es immens wichtig ist. Deswegen ermahnt Jesus uns, die Aufmerksamkeit hochzuhalten: \u201eSeid wachsam\u201c, sagt er gleich dreimal (und noch einmal in Bezug auf den T\u00fcrh\u00fcter im Vergleich). Und wie schaffen wir das? Paulus bezeichnet diese Zeit zwischen der ersten und zweiten Ankunft als \u201eGnadenzeit\u201c, also eine geschenkte Zeit und nicht als eine Zeit ungeduldigen Wartens. Eine Zeit also, die wir bewusst gestalten sollen. Um wachsam zu sein, brauche ich zum einen Aufmerksamkeit und ich brauche etwas, das vielleicht am besten mit einem altmodischen Begriff zu beschreiben ist: Mu\u00dfe. Also die M\u00f6glichkeit, mir auch die Zeit zu nehmen, etwas jenseits von meinem Allt\u00e4glichen wahrzunehmen. Mich dem Stress zu entziehen. Zugegeben eine Herausforderung, vielleicht gerade in einer Adventszeit, die so sehr von Erwartungen an sich selbst und andere gepr\u00e4gt ist. Das Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz, katholisch.de, begleitet die Adventszeit in diesem Jahr mit der Aktion Weihnachten muss nicht. Weihnachten ist. Damit m\u00f6chte es dazu ermutigen, sich der echten Gef\u00fchle bewusst zu werden: Ich muss nicht fr\u00f6hlich sein, weil man das eben so macht. Ich darf nachdenklich sein, aber auch ausgelassen. Wichtig ist, in sich hineinzuh\u00f6ren, ehrlich mit sich zu sein. Auch das erfordert es, wahrzunehmen, wie es mir geht. Dazu brauche ich Mu\u00dfe. Dann habe ich auch die Sensoren, um wachsam zu sein und mich auf die zweite Ankunft Jesu vorzubereiten. 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