{"id":398,"date":"2023-11-01T10:00:00","date_gmt":"2023-11-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=398"},"modified":"2023-12-05T12:40:34","modified_gmt":"2023-12-05T10:40:34","slug":"heilige-so-bunt-wie-glasflaschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/?p=398","title":{"rendered":"Heilige: So bunt wie Glasflaschen"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Zeit zu Zeit gehe ich \u2013 vermutlich genau wie Sie \u2013 zum Glascontainer, um Altglas zu entsorgen. Da gibt es dann ja meist drei Container: f\u00fcr wei\u00dfes, gr\u00fcnes und braunes Glas. Das wei\u00dfe Glas ist noch einfach zu ermitteln, bei der Unterscheidung, ob eine Flasche aber nun aus gr\u00fcnem oder braunem Glas besteht, tue ich mich dagegen oft schwer. Ich habe auch den Eindruck, dass der \u00dcbergang oft flie\u00dfend ist und dass es von den Lichtverh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngt, also davon, wie ich auf den Gegenstand schaue. Der Unterschied ist nicht so deutlich, es gibt nicht das klassische Schwarz und Wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir den Begriff \u201eHeilige\u201c h\u00f6ren, dann ist das wohl bei den meisten von uns ganz anders. Wir denken, das seien Menschen, die in ihrem Leben von vorne bis hinten alles richtig gemacht haben und dann, sozusagen als Belohnung, von Gott eine besondere Ehre erhalten haben. Schaut man aber etwas genauer hin, dann erkennt man auch hier, dass es nicht so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint \u2013 wenn man von Maria einmal absieht. Da gibt es Menschen wie den heiligen Paulus, der zun\u00e4chst diesen \u201eneuen Weg\u201c, der sich an Jesus Christus orientiert, verfolgt und seine Anh\u00e4nger:innen t\u00f6ten l\u00e4sst. Er muss zun\u00e4chst bekehrt werden, bevor er selbst zu einem \u00fcberzeugten und \u00fcberzeugenden Anh\u00e4nger des jungen Christentums wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Menschen, die im Christentum als Heilige verehrt werden, sind dann auch Personen, deren moralischer Lebenswandel keine Rolle spielte. Es sind die M\u00e4rtyrer, also Menschen, die f\u00fcr ihren Glauben gestorben sind. An ihren Gr\u00e4bern versammeln sich Gemeinden, feiern dort Gottesdienste. So entstehen die ersten Kirchen. Schon in der Offenbarung werden die M\u00e4rtyrer thematisiert: die M\u00e4nner in den wei\u00dfen Gew\u00e4ndern, die sie \u201eim Blut des Lammes reingewaschen\u201c haben. Mit anderen Worten: diese Menschen sind Christus im Tod nachgefolgt. Sie haben auch in der Bedrohung an ihrem Glauben festgehalten, nicht nur in der Antike, sondern immer wieder in Verfolgungen. Neuere Beispiele sind Edith Stein oder Maximilian Kolbe als Opfer der NS-Zeit, aber auch die sieben im algerischen B\u00fcrgerkrieg von Islamisten get\u00f6teten Ordensleute. Ihr bewegendes Schicksal wurde im Film \u201eVon Menschen und G\u00f6ttern\u201c verfilmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Menschen, die wir in der katholischen Kirche heute als Heilige verehren, hatten durchgehend nicht nur Licht- als auch Schattenseiten. Ein gutes Beispiel ist Bernhard von Clairvaux, der im 12. Jahrhundert den Orden der Zisterzienser mitaufgebaut hat. Er wird als \u201egottesf\u00fcrchtiger und frommer Mensch\u201c beschrieben wird \u2013 \u00fcbrigens von Martin Luther, wohl weil er sich in seinem Leben stark am Evangelium orientiert hat. Gleichzeitig war er aber ein Verfechter von Kreuzz\u00fcgen und allgemein religi\u00f6sen Kriegen, also etwas, was wir heute als etwas betrachten, das dem Evangelium diametral entgegenl\u00e4uft. Und auch eine Heilige unserer Zeit ist nicht unumstritten: Mutter Theresa wird wegen ihres Einsatzes f\u00fcr die Armen von Vielen zurecht bewundert und verehrt, und obwohl sie von Johannes Paul II. selig- und von Franziskus heiliggesprochen wurde, hatte sie oft Zweifel und sp\u00fcrte wohl auch eine Gottesferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss gestehen, dass es mir Heilige n\u00e4herbringt, wenn ich wei\u00df, dass sie auch ihre Schw\u00e4chen und Fehler hatten. Denn was ist denn eigentlich die Bedeutung von Heiligen in der katholischen Kirche? Zum einen d\u00fcrfen und sollen sie verehrt werden, wir k\u00f6nnen sie um ihre F\u00fcrsprache bitten. Damit ist nicht gemeint, dass sie Christus oder Gott umstimmen sollten. Vielmehr geht es darum, dass wir uns als Gemeinschaft von Heiligen begreifen \u2013 also auch wir schon als Getaufte \u2013 weil wir Teil des Leibes Christi sind oder, wie es im Johannesbrief heute hie\u00df: weil wir \u201eKinder Gottes sind\u201c und ihm einmal \u00e4hnlich sein sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heilige bilden damit keine Schnellstra\u00dfe f\u00fcr unsere Gebete zu Gott. Mit unseren Gebeten k\u00f6nnen wir uns durch Christus schon direkt an Gott wenden. Die Heiligen machen uns vielmehr bewusst, dass wir zu einer Gemeinschaft geh\u00f6ren von Menschen, die nicht perfekt sind, aber sich gegenseitig zum guten Handeln ermutigen k\u00f6nnen. Anhaltspunkte daf\u00fcr k\u00f6nnen wir aus der Bergpredigt nehmen: Menschen, die zu ihrer Armut und zu ihrer Begrenztheit \u201eJa\u201c sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Heiligen sind darin Beispiele f\u00fcr uns, sie sind aber keine \u00dcbermenschen. Heilige sind nicht schwarz und wei\u00df, sondern eher gr\u00fcn und braun. Und gerade deswegen k\u00f6nnen sie eine hilfreiche Orientierung f\u00fcr mein Leben bilden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Zeit zu Zeit gehe ich \u2013 vermutlich genau wie Sie \u2013 zum Glascontainer, um Altglas zu entsorgen. Da gibt es dann ja meist drei Container: f\u00fcr wei\u00dfes, gr\u00fcnes und braunes Glas. Das wei\u00dfe Glas ist noch einfach zu ermitteln, bei der Unterscheidung, ob eine Flasche aber nun aus gr\u00fcnem oder braunem Glas besteht, tue ich mich dagegen oft schwer. Ich habe auch den Eindruck, dass der \u00dcbergang oft flie\u00dfend ist und dass es von den Lichtverh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngt, also davon, wie ich auf den Gegenstand schaue. Der Unterschied ist nicht so deutlich, es gibt nicht das klassische Schwarz und Wei\u00df. Wenn wir den Begriff \u201eHeilige\u201c h\u00f6ren, dann ist das wohl bei den meisten von uns ganz anders. Wir denken, das seien Menschen, die in ihrem Leben von vorne bis hinten alles richtig gemacht haben und dann, sozusagen als Belohnung, von Gott eine besondere Ehre erhalten haben. Schaut man aber etwas genauer hin, dann erkennt man auch hier, dass es nicht so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint \u2013 wenn man von Maria einmal absieht. Da gibt es Menschen wie den heiligen Paulus, der zun\u00e4chst diesen \u201eneuen Weg\u201c, der sich an Jesus Christus orientiert, verfolgt und seine Anh\u00e4nger:innen t\u00f6ten l\u00e4sst. Er muss zun\u00e4chst bekehrt werden, bevor er selbst zu einem \u00fcberzeugten und \u00fcberzeugenden Anh\u00e4nger des jungen Christentums wird. Die ersten Menschen, die im Christentum als Heilige verehrt werden, sind dann auch Personen, deren moralischer Lebenswandel keine Rolle spielte. Es sind die M\u00e4rtyrer, also Menschen, die f\u00fcr ihren Glauben gestorben sind. An ihren Gr\u00e4bern versammeln sich Gemeinden, feiern dort Gottesdienste. So entstehen die ersten Kirchen. Schon in der Offenbarung werden die M\u00e4rtyrer thematisiert: die M\u00e4nner in den wei\u00dfen Gew\u00e4ndern, die sie \u201eim Blut des Lammes reingewaschen\u201c haben. Mit anderen Worten: diese Menschen sind Christus im Tod nachgefolgt. Sie haben auch in der Bedrohung an ihrem Glauben festgehalten, nicht nur in der Antike, sondern immer wieder in Verfolgungen. Neuere Beispiele sind Edith Stein oder Maximilian Kolbe als Opfer der NS-Zeit, aber auch die sieben im algerischen B\u00fcrgerkrieg von Islamisten get\u00f6teten Ordensleute. Ihr bewegendes Schicksal wurde im Film \u201eVon Menschen und G\u00f6ttern\u201c verfilmt. Andere Menschen, die wir in der katholischen Kirche heute als Heilige verehren, hatten durchgehend nicht nur Licht- als auch Schattenseiten. Ein gutes Beispiel ist Bernhard von Clairvaux, der im 12. Jahrhundert den Orden der Zisterzienser mitaufgebaut hat. Er wird als \u201egottesf\u00fcrchtiger und frommer Mensch\u201c beschrieben wird \u2013 \u00fcbrigens von Martin Luther, wohl weil er sich in seinem Leben stark am Evangelium orientiert hat. Gleichzeitig war er aber ein Verfechter von Kreuzz\u00fcgen und allgemein religi\u00f6sen Kriegen, also etwas, was wir heute als etwas betrachten, das dem Evangelium diametral entgegenl\u00e4uft. Und auch eine Heilige unserer Zeit ist nicht unumstritten: Mutter Theresa wird wegen ihres Einsatzes f\u00fcr die Armen von Vielen zurecht bewundert und verehrt, und obwohl sie von Johannes Paul II. selig- und von Franziskus heiliggesprochen wurde, hatte sie oft Zweifel und sp\u00fcrte wohl auch eine Gottesferne. Ich muss gestehen, dass es mir Heilige n\u00e4herbringt, wenn ich wei\u00df, dass sie auch ihre Schw\u00e4chen und Fehler hatten. Denn was ist denn eigentlich die Bedeutung von Heiligen in der katholischen Kirche? Zum einen d\u00fcrfen und sollen sie verehrt werden, wir k\u00f6nnen sie um ihre F\u00fcrsprache bitten. Damit ist nicht gemeint, dass sie Christus oder Gott umstimmen sollten. Vielmehr geht es darum, dass wir uns als Gemeinschaft von Heiligen begreifen \u2013 also auch wir schon als Getaufte \u2013 weil wir Teil des Leibes Christi sind oder, wie es im Johannesbrief heute hie\u00df: weil wir \u201eKinder Gottes sind\u201c und ihm einmal \u00e4hnlich sein sollen. Heilige bilden damit keine Schnellstra\u00dfe f\u00fcr unsere Gebete zu Gott. Mit unseren Gebeten k\u00f6nnen wir uns durch Christus schon direkt an Gott wenden. Die Heiligen machen uns vielmehr bewusst, dass wir zu einer Gemeinschaft geh\u00f6ren von Menschen, die nicht perfekt sind, aber sich gegenseitig zum guten Handeln ermutigen k\u00f6nnen. Anhaltspunkte daf\u00fcr k\u00f6nnen wir aus der Bergpredigt nehmen: Menschen, die zu ihrer Armut und zu ihrer Begrenztheit \u201eJa\u201c sagen k\u00f6nnen. Die Heiligen sind darin Beispiele f\u00fcr uns, sie sind aber keine \u00dcbermenschen. Heilige sind nicht schwarz und wei\u00df, sondern eher gr\u00fcn und braun. Und gerade deswegen k\u00f6nnen sie eine hilfreiche Orientierung f\u00fcr mein Leben bilden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":402,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,3],"tags":[57,43],"class_list":["post-398","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-predigt","category-religion","tag-heilige","tag-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=398"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":403,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398\/revisions\/403"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andrs-glauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}